„Ich wollte etwas Praktisches machen”
Nadine Baumgarten plante ein Chemiestudium, hielt dann aber Logistik für das interessantere Arbeitsumfeld
Nadine Baumgarten gewann 2011 den DSLV-Nachwuchspreis. Jetzt hat sie die Assistenz für die Leitung des Key-Account-Managements bei Kühne + Nagel übernommen.
© Christina Kuhaupt
von
Nicole de Jong

Nadine Baumgarten ist Frühaufsteherin. Sie nutzt die ruhigen Morgenstunden im Büro, um die Dinge zu erledigen, die im hektischen Tagesgeschäft auch mal liegen bleiben, oder um wichtige Telefonate ungestört zu führen. Die 26-Jährige ist gelernte Kauffrau für Speditions- und Logistikdienstleistung – und Trägerin des Nachwuchspreises Spedition und Logistik. Doch das ist längst nicht alles. Baumgarten hat im Gymnasium die Leistungskurse Biologie und Chemie belegt, und damit war klar, dass ihr beruflicher Weg in Richtung Naturwissenschaften führen würde. „Eigentlich hatte ich vor, Chemie zu studieren“, erinnert sie sich. Nach einem einwöchigen Schnupperkurs an der Uni Bremen weiß sie aber, dass sie nicht den ganzen Tag in einem Labor stehen, sondern viel lieber mit Menschen zu tun haben will. Vom reinen Studium kommt sie schließlich ganz ab, weil sie nach dem Abitur viel mehr Lust hat, etwas Praktisches zu machen.

Ausbildung mit Parallelstudium: In der Zeitung liest sie von der dualen Ausbildung beim Logistikunternehmen Kühne + Nagel. „Das geniest hier in Bremen einen sehr guten Ruf“, sagt sie. Ausgeschrieben ist eine Ausbildung plus Studium mit der Option, während der Zeit ins Ausland zu gehen. „Ich habe mich beworben und wurde eingestellt“, erzählt Baumgarten. Von 2008 bis 2011 absolviert sie also die Ausbildung und macht parallel dazu – in einem Abend-und-Wochenend-Studium – ihren Betriebswirt in Verkehr und Logistik. 

Schnell stellt sie fest: die Arbeit bei KN macht ihr sehr viel Spaß. Sie will also bleiben. Bald folgt ein sechswöchiger Arbeitsaufenthalt in New York. „Das war total spannend“, sagt sie. Im Anschluss daran steigt Baumgarten im Key-Account- Management Automotive als Excellence Manager ein. In dieser Funktion bearbeit sie Ausschreibungen, kümmert sich um Statistiken und unterstützt auf diese Weise die Key- Account-Manager. Am 1. Juni dieses Jahres hat sie die Assistenz für die Leitung des Key-Account-Managements im Bereich Deutschland übernommen, wo sie sich vorrangig um das Vertriebscontrolling kümmert und als Ansprechpartnerin für das interne Customer Relationship Management System zuständig ist. „Meine Aufgabe ist damit strategischer und analytischer geworden“, sagt Baumgarten. 

Doch zuvor, im Jahr 2012, hat Baumgarten ihren Bachelor abgeschlossen und parallel dazu bis Ende Januar dieses Jahres den Master mit den Schwerpunkten Management, Sales und Marketing abgelegt. Damit ist die junge Frau seit sechseinhalb Jahren bei KN mit Vollzeitausbildung und Studium nebenbei beschäftigt. „Ich bin froh, dass ich jetzt damit durch bin“, räumt sie ein. Die Belastung sei sehr groß gewesen. Viel Freizeit blieb ihr die ganzen Jahre nicht. 

Doch der Stress hat sich aus ihrer Sicht gelohnt, denn von Anfang Februar bis Mitte April darf sie für KN nach Shanghai – natürlich zum Arbeiten, aber auch, um in eine völlig andere Kultur reinzuschnuppern. Etwas Zeit zum Reisen bleibt ebenso. Es sei eine tolle Erfahrung gewesen, in zweieinhalb Monaten China kennenzulernen. „Shanghai steht nicht nur kulturell, sondern auch arbeitsmäßig in einem starken Kontrast zu Bremen oder New York“, so Baumgarten. Wichtige 

Auslandserfahrung: „KN ist ein Global Player “, sagt sie. Das Unternehmen in einem anderen Land kennenzulernen sei beeindruckend. Diese Möglichkeit sei bei kleineren oder mittelständischen Unternehmen nicht immer gegeben. „Außerdem existiert KN seit 125 Jahren, und ich kann von dem großen Erfahrungsschatz nur profitieren.“ Sie sei sehr dankbar, dass sie das alles kennenlernen durfte. „Ich weiß  dadurch viel besser zu schätzen, wie gut die Umweltbedingungen hier in Deutschland sind“, stellt sie fest – allein die Luft- und Wasserqualität seien hier unschlagbar gut. „Für mich sind das grundlegende Voraussetzungen für ein gutes Leben“, fügt sie hinzu. 

2011 gewinnt Baumgarten den DSLV- Nachwuchspreis. „Das war eine spannende Zeit. Ich stand plötzlich in der DVZ, war ein kleines bisschen berühmt und wurde von vielen Leuten darauf angesprochen“, schildert sie ihre Erfahrungen. Sie darf sogar dem damaligen Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) die Hand schütteln. Das Feedback auf den Preis sei sehr positiv gewesen, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens. „Ich konnte damit auch ein größeres Netzwerk aufbauen“, sagt sie. Natürlich sei alles nicht ganz einfach gewesen, da sie ja zeitgleich ihren Bachelor abgelegt habe. „Aber ich habe die Herausforderungen gemeistert.“ 

Die vergangenen sechseinhalb Jahre waren von Arbeit und Studium geprägt. Jetzt will sich Baumgarten wieder mehr ihren Freunden und ihren Hobbys widmen. Viel Entspannung findet sie im Reisen. „Das begeistert mich seit meiner Kindheit“, sagt sie. Zu Hause entspannt sie in der Natur. „Ich bin sehr gern draußen zum Spazieren, Wandern oder Joggen.“ 

Fortbildung auch im Privaten: Den täglichen Arbeitsweg legt sie mit dem Fahrrad zurück. Und an den Wochenenden trifft sie sich jetzt, da sie wieder mehr Zeit hat, gern mit Freunden zum gemeinsamen Kochen oder Backen. „Früher habe ich sehr gern Aquarelle gemalt. Auch das will ich wieder machen“, erzählt sie. Doch ohne Fortbildung scheint es bei Baumgarten nicht zu gehen. So plant sie, ein paar Malkurse zu belegen und in Sprachkursen ihr Französisch und Spanisch aufzufrischen. „Ich bin superzufrieden, wie alles gelaufen ist – auch wenn ich zwischendurch überlegt habe, ob das nicht alles zu viel wird“, gesteht sie.