In der Logistik können Wünsche wahr werden. Zum Beispiel beim diesjährigen Young Freight Forwarder Germany Award (YFFGA). Da hatte die spätere Gewinnerin Pia Meier auf ein nicht alltägliches Logistikproblem gehofft – und so kam es auch. Die Wettbewerbsteilnehmer mussten den Transport eines Riesenkrans organisieren, der – in fünf Einzelteile zerlegt – mit vier Containern voll technischem Zubehör von Düsseldorf nach Antwerpen gebracht und dann nach Australien verschifft werden sollte. „Das war eine komplexe Aufgabe, würde ich behaupten“, so die 24-Jährige im Rückblick.
Top-Abschluss mit 96 von 100 Punkten
Doch Meier hat während ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Spedition und Logistik bei DSV Air & Sea in Köln das notwendige Know-how erworben, um diese Aufgabe zu lösen. Sie erzielte bei ihrer Abschlussprüfung im Januar einen Schnitt von 96 Punkten – blieb also nur knapp unter den maximal möglichen 100 Punkten.
Vor diesem Hintergrund machte sie einer ihrer Lehrer auf den YFFGA-Wettbewerb, den der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik und die DVZ organisieren, aufmerksam. „Ich dachte, dass das eine tolle Herausforderung ist“, sagt die junge Frau, die während ihrer Ausbildung Bestnoten erzielte. Sie sah den Wettbewerb als Chance, ihren Wissensstand zu testen.
Und der wurde ordentlich auf die Probe gestellt. Denn mit dem Millionengeschäft um den Kran war ein sogenanntes Akkreditiv verbunden, das heißt, der Käufer knüpfte die Kaufpreiszahlung an Bedingungen. „Es waren viele, viele einzelne Unterpunkte“, erinnert sich Meier, die bei DSV in Köln inzwischen im Seefrachtexport arbeitet. So sollten die Gegenstände alle mit demselben Schiff transportiert werden. Dieses aber sollte höchstens zehn Jahre alt sein und musste zu einer bestimmten Jahreszeit in Australien eintreffen. Das wiederum machte die „Begasung“ der Fracht erforderlich, um die Einschleppung der Marmorierten Baumwanze (BMSB) zu verhindern.
Auf Neuland gewagt
Zuvor musste das Zubehör in Antwerpen noch in Containern verstaut werden. Mit einer Projektverladung wie dieser habe sie bis dahin noch nicht zu tun gehabt, so die 24-Jährige. Dennoch habe sie sich gefreut, denn Seefrachtexport sei schließlich ihr täglich Brot. Das Akkreditiv, die BMSB-Saison: Einiges war ihr bei ihrer Arbeit schon begegnet.
In der Folge traf sie kluge Entscheidungen, wählte zum Beispiel für den Transport der Teile von Düsseldorf nach Antwerpen das Binnenschiff, um damit viele Genehmigungen, die man sonst einholen müsste, zu umgehen. Die Lösung der Aufgabe selbst ging Meier systematisch an – mit einer Powerpoint-Präsentation. Sie betrieb Brainstorming, recherchierte zu offenen Fragen in Literatur und Internet, fragte einen Kollegen um fachlichen Rat – etwa zur Befestigung von Kranteilen auf einem Schiff.
Zu jedem Thema und Aspekt entstanden mehrere Folien. „So habe ich die Aufgabe gegliedert, strukturiert und priorisiert, und damit die Aufgabe quasi gelöst.“ Gezweifelt habe sie nicht, aber am Ende wurde es doch noch spannend, denn die Finalisten mussten ihre Ergebnisse in maximal zehn Minuten präsentieren. Daher musste Meier nach all den Recherchen vieles weglassen – dennoch gewann sie schließlich ganz knapp. Damit hat sie sich für den internationalen Nachwuchswettbewerb des Weltspediteursverbands Fiata qualifiziert, für den sie noch eine Hausarbeit anfertigen muss.
Nach einer Karriere in der Logistik hatte es für die in der Schweiz geborene und überwiegend in Krefeld aufgewachsene Tochter einer Ärztin und eines Gastronoms und BWLers zunächst nicht ausgesehen. Auf das Abitur folgte ein Freiwilliges Soziales Jahr an einer Grundschule und dann in Köln ein Lehramtsstudium. Doch nach dem zweiten Semester wechselte sie ihre berufliche Perspektive: „Das Lehramt ist ein toller Beruf, für die Logistik konnte ich mich aber viel mehr begeistern.“
Routine ist selten
Sie habe sich mehr Vielfältigkeit gewünscht, auch Einblicke in andere Branchen, Entwicklungsmöglichkeiten und Karrierechancen. „Das waren die Punkte, die mich zur Logistik gebracht haben“, sagt sie – und lobt die Flexibilität, die damit verbunden ist. „Ob man in der Spedition bleibt oder in die Industrie geht oder wo auch immer: Logistik wird überall gebraucht.“ Und ihre Hoffnung, dass eher selten Routine aufkommt, hat sich erfüllt. „In meinem Beruf gibt es täglich neue Herausforderungen, zum Beispiel, dass Dinge umgeplant werden müssen – und dadurch bleibt es dann auch spannend.“ Hinzu komme, dass sie immer schon gern organisiert habe, etwa Urlaubsfahrten mit Freundinnen. „Ich bin ein lösungsorientierter Mensch, und das passt gut zur Logistik.“
Masterstudium soll folgen
Auch die Motivation passte: „Ich wollte mehr in die Praxis, mehr Berührungspunkte mit dem, was ich tue.“ Einer Bewerbung bei DSV folgte die Zusage – und der Einsatz am Standort Köln. Anfangs sei vieles neu gewesen, sie habe die Abläufe verstehen müssen, etwa, wie ein Transport funktioniert. „Ich wurde relativ schnell in den täglichen Ablauf eingebunden und habe unter Aufsicht eigene Sendungen abgefertigt“, sagt Meier Aufgrund ihrer Noten wurde die Ausbildungsdauer von drei auf zweieinhalb Jahre reduziert. Danach begann sie an der IHK eine berufsbegleitende Weiterbildung zur Fachwirtin für Güterverkehr und Logistik, auf die ein Masterstudium oder eine andere Fortbildung folgen sollen. „Ich möchte gerne in der Logistik bleiben“, steht für die junge Frau fest.
Ihre Freizeit verbringt die Hobby-Dressurreiterin gern mit ihrer Hündin bei ihrem Pferd. Das bringe positive Energie zurück, sagt sie. (ben)